Managementbewertung nach ISO 9001
▶️ Leitfaden, Anforderungen und Best Practices

Laut Kapitel 9.3 der ISO 9001 muss die oberste Leitung das QMS in geplanten Abständen bewerten.

Die Managementbewertung nach ISO 9001 ist ein zentrales Element eines wirksamen Qualitätsmanagementsystems (QMS). Sie stellt sicher, dass die oberste Leitung regelmäßig überprüft, ob das System geeignet, angemessen und wirksam ist – und ob es zur strategischen Ausrichtung des Unternehmens passt.

Die Managementbewertung nach ISO 9001 wird häufig sehr oberflächlich behandelt. Daher wollen wir hier einigen Fragen nachgehen:

  • Was die Managementbewertung nach ISO 9001 ist
  • Welche Anforderungen die Norm stellt
  • Welche Inhalte und Kennzahlen relevant sind
  • Wie Sie die Bewertung effizient vorbereiten
  • Welche Best Practices sich bewährt haben



Was ist die Managementbewertung nach ISO 9001?

Die Managementbewertung ist eine formelle, regelmäßige Überprüfung des Qualitätsmanagementsystems (QMS) durch die oberste Leitung eines Unternehmens. Grundlage ist die internationale Norm ISO 9001, insbesondere Kapitel 9.3.

Ziel der Managementbewertung ist es sicherzustellen, dass das Qualitätsmanagementsystem weiterhin geeignet, angemessen und wirksam ist und die strategische Ausrichtung des Unternehmens unterstützt.

Im Gegensatz zu operativen Besprechungen handelt es sich hierbei um eine strategische Gesamtbewertung des Systems – mit Fokus auf Leistung, Risiken, Chancen und Verbesserungspotenziale.




Ziel der Managementbewertung

Die Managementbewertung verfolgt mehrere zentrale Ziele:

  • Sicherstellung der Eignung, Angemessenheit und Wirksamkeit des QMS
  • Bewertung von Risiken und Chancen
  • Analyse der Qualitätsziele
  • Identifikation von Verbesserungspotenzial
  • Ausrichtung des Systems auf die Unternehmensstrategie

Damit dient sie als wichtiges Steuerungsinstrument für Geschäftsführung und Management.




Anforderungen gemäß ISO 9001 (Kapitel 9.3)

1. Eingaben (Input)

Folgende Themen müssen mindestens berücksichtigt werden:

  • Status früherer Maßnahmen
  • Änderungen interner und externer Themen
  • Leistungsfähigkeit des QMS
  • Kundenzufriedenheit
  • Erreichung der Qualitätsziele
  • Prozessergebnisse und Produktkonformität
  • Nichtkonformitäten und Korrekturmaßnahmen
  • Audit-Ergebnisse (intern und extern)
  • Lieferantenleistung
  • Ressourcenbedarf
  • Wirksamkeit von Maßnahmen zu Risiken und Chancen

2. Ergebnisse (Output)

Die Managementbewertung muss dokumentierte Ergebnisse liefern, insbesondere zu

  • Verbesserungsmöglichkeiten
  • Anpassungsbedarf am QMS
  • Ressourcenentscheidungen
  • Strategischen Maßnahmen

Diese Ergebnisse bilden die Grundlage für konkrete Umsetzungsmaßnahmen.




Typischer Ablauf einer Managementbewertung

1. Vorbereitung

  • Sammlung relevanter Kennzahlen
  • Auditberichte zusammenstellen
  • Statusberichte zu Zielen und Maßnahmen
  • Erstellung einer Bewertungsagenda

2. Durchführung

  • Präsentation der Kennzahlen
  • Diskussion strategischer Entwicklungen
  • Bewertung von Risiken und Chancen
  • Festlegung neuer Maßnahmen

3. Nachbereitung

  • Dokumentation der Ergebnisse
  • Maßnahmenplanung
  • Kommunikation an relevante Führungskräfte
  • Terminierung der nächsten Bewertung



Wichtige Kennzahlen (KPIs) für die Managementbewertung

Je nach Branche und Unternehmensgröße variieren die Kennzahlen. Typische KPIs sind:

  • Reklamationsquote
  • Termintreue
  • Fehlerkosten
  • Prozessdurchlaufzeiten
  • Kundenzufriedenheitsindex
  • Auditabweichungen
  • Schulungsquote
  • Lieferantenbewertung

Entscheidend ist, dass die Kennzahlen strategierelevant sind und Trends sichtbar machen.




Wie oft muss die Managementbewertung durchgeführt werden?

Die Norm schreibt keine feste Häufigkeit vor. In der Praxis hat sich etabliert die Managementbewertung mindestens einmal jährlich und bei dynamischen Märkten oder größeren Veränderungen ggf. häufiger durchzuführen. Wichtig ist die regelmäßige, geplante Durchführung.




Dokumentationspflicht: Was muss festgehalten werden?

Die ISO 9001 verlangt „dokumentierte Informationen“ zu:

  • Datum und Teilnehmer
  • Bewertete Inhalte
  • Beschlüsse
  • Maßnahmen
  • Verantwortlichkeiten
  • Fristen

Die Dokumentation dient als Nachweis im Zertifizierungsaudit.




Häufige Fehler bei der Managementbewertung

In der Praxis wird die Managementbewertung häufig als reine Pflichtveranstaltung im Rahmen der ISO 9001 behandelt. Ein typischer Fehler besteht darin, lediglich Kennzahlen zu präsentieren, ohne diese kritisch zu analysieren oder Trends systematisch zu bewerten. Zahlen werden gezeigt, aber nicht hinterfragt. Dadurch bleibt das eigentliche Potenzial der strategischen Steuerung ungenutzt.

Ebenso problematisch ist die fehlende Ableitung konkreter Maßnahmen. Werden zwar Abweichungen oder Schwachstellen erkannt, jedoch keine klaren Verantwortlichkeiten und Fristen definiert, verliert die Managementbewertung ihre Wirksamkeit. Ohne nachvollziehbare Maßnahmenplanung bleibt sie dokumentarisch korrekt, aber inhaltlich wirkungslos.

Ein weiterer häufiger Fehler liegt in einer zu starken operativen Detailtiefe. Statt strategische Entwicklungen, Risiken, Chancen und Zielerreichung zu diskutieren, verzetteln sich Unternehmen in Einzelproblemen oder tagesaktuellen Fragestellungen. Die Managementbewertung sollte jedoch den Blick auf das Gesamtsystem richten und nicht zur erweiterten Teamleitersitzung werden.

Auch die mangelnde Einbindung der obersten Leitung ist kritisch. Wird die Bewertung faktisch von der Qualitätsmanagement-Abteilung vorbereitet und „abgesegnet“, ohne dass eine echte strategische Diskussion stattfindet, widerspricht dies dem eigentlichen Sinn der Normanforderung. Die Verantwortung liegt klar beim Top-Management.

Schließlich wird häufig versäumt, Veränderungen im internen und externen Kontext ausreichend zu berücksichtigen. Marktveränderungen, neue gesetzliche Anforderungen, technologische Entwicklungen oder organisatorische Umstrukturierungen müssen aktiv in die Bewertung einfließen. Andernfalls bleibt das Qualitätsmanagementsystem statisch und verliert an Anpassungsfähigkeit.

Eine wirksame Managementbewertung zeichnet sich daher nicht durch umfangreiche Präsentationen, sondern durch kritische Analyse, strategische Diskussion und konsequente Maßnahmenumsetzung aus.

Eine wirksame Managementbewertung ist kein Pflichttermin, sondern ein Führungsinstrument.




Best Practices für eine erfolgreiche Managementbewertung

  • Strategische Ausrichtung sicherstellen: Verknüpfen Sie die Bewertung mit Unternehmenszielen und Strategie.
  • Trendanalysen nutzen: Betrachten Sie Entwicklungen über mehrere Jahre.
  • Risiken und Chancen systematisch bewerten: Nutzen Sie Methoden wie SWOT oder Risikomatrizen.
  • Klare Verantwortlichkeiten definieren: Jede Maßnahme braucht einen Verantwortlichen und eine Frist.
  • Management aktiv einbinden: Die Bewertung ist Chefsache – nicht Aufgabe der QM-Abteilung allein.




Vorteile einer professionellen Managementbewertung

  • Höhere Transparenz
  • Bessere Managemententscheidungen
  • Reduzierung von Risiken
  • Steigerung der Kundenzufriedenheit
  • Nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit
  • Kontinuierliche Verbesserung

Unternehmen, die diesen Prozess professionell gestalten, profitieren von klaren Entscheidungsgrundlagen, verbesserter Performance und nachhaltigem Erfolg.

Wenn Sie Ihre Managementbewertung strukturiert, kennzahlenbasiert und strategisch ausrichten, wird sie vom Pflichttermin zum echten Wettbewerbsvorteil.




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